Vernunft statt Hype: 5G ist kein Ersatz für Glasfaser – sondern die perfekte Ergänzung

Das klassische Netzwerk ist der wesentliche Enabler für das digitale Geschäft und den Betrieb von Cloud-Anwendungen
August 25, 2020 Dusseldorf, Deutschland
Volker Schiemann
Volker Schiemann
VP Operations & Consulting DACH
Volker ist ein anerkannter Experte rund um das Thema IT- und Telekommunikation. Seit 2005 berät und begleitet er Unternehmen aller Größen und Branchen bei der Modernisierung von IT-Netzwerken und bei der Implementierung von SD-WAN-Projekten

Vernunft statt Hype: 5G ist kein Ersatz für Glasfaser – sondern die perfekte Ergänzung

 

Der Mobilfunkstandard 5G wird als Wegbereiter für eine Vielzahl von Innovationen gehandelt. Industrieanlagen werden mit Funkmasten versehen, um Robotik und Konnektivität gewährleisten zu können, selbstfahrende Robotaxen sollen die Innenstädte erobern und auch der Endkunde darf sich über blitzschnelle, digitale Anwendungen freuen. Auch in der öffentlichen Diskussion um den Ausbau scheint 5G eine Allzweckwaffe für den digitalen Sprung nach vorn – allerdings lohnt sich ein rationaler Blick auf vorhandene Technologien und Netzwerke, um das ökonomisch und technologisch überzeugendste Ergebnis zu erreichen.

 

Bei der Euphorie um die Potentiale von 5G wird allerdings häufig übersehen, dass im B2B-Bereich weiterhin das klassische Netz der wesentliche Enabler für das digitale Geschäft und den Betrieb von Cloud-Anwendungen darstellt. Ferner lässt sich klar festhalten: Die Performance des Netzwerks war noch nie so entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Die kabelbasierte Glasfaserkonnektivität, in der derzeitigen öffentlichen Diskussion eher stiefmütterlich betrachtet, bietet Nutzern eine überlegene Netzwerkleistung im Vergleich zu allen heute verfügbaren Wireless-Technologien! Auch 5G ist davon nicht ausgenommen.

 

Vorangegangene Generationen der Funktechnologie waren noch gänzlich unzureichend, um Business-Qualität zu gewährleisten. Trotz vielversprechender Pilotprojekte lässt sich auch derzeit festhalten, dass 5G im Businessbereich eher eine Ergänzung darstellen wird. Solange 5G-Netzwerke keine kommerziellen Serviceangebote anbieten, die SLAs (Service-Level-Agreement) beinhalten, welche die Verfügbarkeit und Leistung von Diensten garantieren – wird 5G für die überwiegende Mehrheit der Geschäftskunden keine sinnvolle Alternative zu einem faserbasierten Service sein. Die erwartete Variabilität der Gebäudeabdeckung aufgrund der von 5G verwendeten Millimeterwellenfrequenzen bedeutet, dass die drahtlose Technologie allein ohne den Einsatz einer externen Antennenlösung – die in vielen Gebäudeumgebungen die Kosten und Komplexität erhöht – keinen rationalen Ersatz für Glasfaser-basierte Dienste darstellen wird.

 

Ferner ist bei der Debatte zu bedenken, dass 5G kein einfaches Update zu LTE darstellt. 5G erfordert neue und gänzlich andere Geräte und Infrastrukturen. Die Funkmasten haben eine geringere Reichweite als 4G-Netzwerke. Mehr Zellstandorte werden benötigt, um eine gleichwertige Abdeckung zu erzeugen – manchmal drei- oder fünfmal so viele. Dies erhöht die Kosten und macht es weniger wirtschaftlich, 5G dort einzusetzen, wo es eine etablierte Festnetzalternative gibt. Dabei soll keineswegs bestritten werden, dass Anwendungsfälle bestehen, in denen starke drahtlose Netzwerke in Innenräumen benötigt werden, wie z.B. eine Gesundheitseinrichtung mit vielen angeschlossenen Geräten. Für diese und ähnliche Szenarien wird 5G in der Tat sinnvoll sein – wäre aber wahrscheinlich immer noch abhängig von Anbindung an den Festnetzknoten des nächsten Punktes der Datenverarbeitung.

 

Wie GTT 5G in seinen eigenen Unternehmensdiensten einsetzen wird

 

Trotz der Mängel der 5G-Technologie kann sie unsere eigenen MPLS- und SD-WAN-Dienste als Backup-Technologie ergänzen, wenn ein geeignetes Außensignal zur Verfügung steht. Wir finden auch Anwendungsfälle für 5G als primären WAN-Dienst für bestimmte IoT-Anwendungen, bei denen eine garantierte Betriebszeit und ein garantierter Durchsatz nicht erforderlich sind.

 

Ein leistungsfähiges Glasfasernetz wird dabei entscheidend für die Bereitstellung eines nahtlosen 5G-Dienstes sein. Mit der Fähigkeit, Daten zu jeder Tageszeit zu sammeln und bereitzustellen, werden die Anforderungen an das Netzwerk steigen. Sogenannte schwarze Flecken und langsamere Geschwindigkeiten sind unter diesen Gesichtspunkten nicht mehr tragbar. Gleichzeitig wird die Vielzahl neuer Anwendungen, die durch 5G-Implementierungen angeregt werden, weiterhin stark von den Leistungsmöglichkeiten eines faserbasierten Internet-Backbones und eines schnellen, sicheren und schnellen Zugangs zur Cloud abhängen. Letztendlich bieten Glasfasernetze eine geringere Latenzzeit und höhere Bandbreiten, die für den Betrieb geschäftskritischer Unternehmensanwendungen entscheidend sind.

 

Die Erhöhung der durch 5G ermöglichten Upload-/Download-Geschwindigkeiten wird zudem zu einem enormen Anstieg der erforderlichen Rohbandbreite in den Backbones von Dienstanbietern führen. GTT bietet bereits Dienste für viele der weltweit größten Mobilfunknetze, OTTs und Content Provider an. Wir sehen daher eine steigende Nachfrage nach all unseren Carrier-Produkten, einschließlich Dark Fibre, 100G Wellenlängen-Services und IP-Transit. Als eines der weltweit größten IP- und Transportnetzwerke ist GTT bestens positioniert, um den steigenden Ansprüchen in puncto Konnektivität begegnen zu können. GTT bietet nämlich bereits ein faserbasiertes Cell-Site-Backhaul für eine Reihe von Mobilfunknetzen an. Der Anstieg des Bandbreitenbedarfs und dichtere "kleinzellige" Mobilfunknetze werden die Nachfrage nach Verbindungen zu den umfangreichen Glasfaseranlagen von GTT in ganz Europa erhöhen.

 

Die Herausforderungen bei der In-Building-Abdeckung von Millimeter-Wellenspektren, die von 5G genutzt werden, treiben die Einführung der "Small-Cell"-Technologie an Unternehmensstandorten voran, was die Nachfrage nach Multi-Gigabit- und Glasfaser-basierten Konnektivität zu Unternehmens- und Multi-Tenanted-Standorten erhöht. GTT wird von diesem Anstieg der Bandbreitennachfrage profitieren. Daher werden bereits Vorschläge geprüft, die darauf zugeschnitten sind, diese Marktchance zu nutzen.

 

In der Diskussion rund um den Netzausbau in Deutschland und Österreich empfiehlt es sich, alle verfügbaren Technologien kritisch zu prüfen und nicht blind dem Hype und Aktionismus um 5G zu folgen. Wenn Dein liebstes Werkzeug ein Hammer ist, wirst Du jedes Problem als Nagel betrachten – ein ähnliches Sprichwort ließe sich aktuell zur 5G Debatte festhalten. Sowohl Glasfaser als Mobilfunk der fünften Generation werden entscheidende Rollen für die digitale Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft einnehmen.

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